Der Blaudruck

Der Blaudruck ist eine Jahrhunderte alte Handwerkskunst des Textildrucks. Durch traditionelle Handarbeit entsteht dabei ein weißes Muster auf blauem Grund. Gearbeitet wird im Verfahren des Reservedrucks, wobei mithilfe historischer Druckstöcke (sogenannte „Modeln“) eine Schutzschicht (der sogenannte „Papp“) auf den weißen Stoff gedruckt wird. Beim anschließenden Färben wird der Stoff an diesen Stellen geschützt. Nach dem Auswaschen des Papps erscheint das weiße Muster auf dem blauen Grund.

Die Geschichte des Blaudrucks

Der Ursprung des Blaudrucks liegt in Indien. Aus diesem Land stammt der Farbstoff Indigo, der aufgrund des Ostindienhandels im 17.Jahrhundert nach Europa gelangte und den zuvor genutzten Färberwaid verdrängte. Im 18. Und 19. Jahrhundert erfreute sich das Handwerk weiterhin großer Beliebtheit und war in weiten Teilen Mitteleuropas verbreitet. Erst mit dem Beginn der Industrialisierung fiel es vielen Blaudruckern schwer, Ihre Werkstätten aufrecht zu erhalten. Heute existieren nur noch wenige Betriebe, die das Handwerk des Blaudrucks beherrschen.

In unserer Manufaktur in Jever drucken wir historische Dekore, wie sie in der Zeit von ca. 1660 bis 1900 in Gebrauch waren. Bis 1800 sind dies oft Motive „exotisch asiatischer” Herkunft wie Granatäpfel, Pfauenfedern oder Lotosblumen, aber auch europäische christliche Bilddrucke. Später finden wir vorwiegend feinere und diskretere Musterungen wie Streublumen oder zierliche Streifendekore. Zu unserem Bestand zählen außerdem eine Handvoll Motive aus dem Bauhaus und „Art Déco” um 1920.

Der Arbeitsablauf

In unserer Manufaktur arbeiten wir in traditioneller Handarbeit. Nur durch einen wochenlangen Arbeitsprozess, über Generationen weitergegebene Erfahrung und viel Liebe zum Detail entstehen aus ursprünglich weißen Stoffen einzigartige Blaudrucke. Jedes Stück ist dabei ein Unikat. Kleine Unregelmäßigkeiten im Druck unterstreichen den besonderen Charakter und machen den Charme dieser Handwerkskunst aus.

1. Drucken

Für den Blaudruck eignen sich ausschließlich natürliche Stoffe. In unserer Werkstatt verwenden wir Leinen, Baumwolle und Seide. Bevor wir beginnen können, wird der weiße Stoff zunächst gewaschen und gebügelt. Anschließend drucken wir mithilfe der Modeln Stück für Stück den Papp auf den Stoff. Der Papp besteht hauptsächlich aus Gummi arabicum und bildet beim späteren Färben einen Schutz vor dem Blau.

2. Färben

Bevor wir den bedruckten Stoff färben können, muss der Papp zunächst vollständig trocknen. Dies kann je nach Muster und Wetterlage mehrere Tage bis Wochen in Anspruch nehmen. Gefärbt wird in der Küpe, einem zwei bis drei Meter tiefen Färbebottich. Der Stoff wird auf einen eisernen Kronreifen gespannt und in das Indigobad getaucht, bis die gewünschte Farbintensität erreicht ist. Beim Herausholen des Stoffes sieht man die typische Farbveränderung von gelb über grün zu blau.

In unserer Werkstatt färben wir sowohl mit traditionellem Indigo als auch mit Indanthren. Dieser ist im Vergleich zu Indigo deutlich licht-, wasch- und reibechter.

3. Waschen

Ist der Stoff getrocknet, wird er vom Reifen genommen und gewaschen. Dafür wird er im heißen Wasserbad von Hand gespült bis sich der Papp vom Stoff löst und an diesen Stellen den weiß gebliebenen Stoff freilegt. Man sieht das weiße Muster auf dem blauen Grund. Der Stoff muss nun erneut trocknen und wird dann von uns zum entsprechenden Produkt vernäht.

Handwerksvorführungen

Einen tieferen Einblick in unseren Arbeitsalltag und die Geschichte des Blaudrucks erhalten Sie bei unseren Handwerksvorführungen. Kommen SIe vorbei und erleben Sie Ihr blaues Wunder!

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